Schadenseinschätzung des Hagelunwetters und Hinweise für Maßnahmen

28. Jun 2021

Information der Obst- und Gartenbauberatungsstelle: Schadenseinschätzung des Hagelunwetters und Hinweise für Maßnahmen

Das Hagelunwetter von Mittwochabend war, ähnlich wie im Juli 2013, von zwei Besonderheiten gekennzeichnet: Der Hagel fiel 15-20 Min lang vom Himmel und die Fläche, die vom Hagelschlag beschädigt wurde, war groß. Beginnend bei Rottenburg (Kalkweil, Bad Niedernau) zog die Front entlang des Neckars über Kiebingen, Bühl, Kilchberg, Weilheim, Tübingen, die Härten über Reutlingen/Nord, Wannweil und Metzingen/Nord bis nach Nürtingen und Kirchheim. In Nellingsheim, Remmingsheim und Wolfenhausen ist der Hagelschaden gering. Hirschau, Unterjesingen und das Ammertal sowie das Steinlachtal sind vom Hagel weitgehend verschont geblieben. Im Großraum Tübingen (Weilheim, Derendingen, Härten) ist der Schaden besonders hoch.

Der Hagelsturm hinterlässt eine Schneise der Verwüstung in diesem Gebiet in Hausgärten und Streuobstwiesen, in Obstanlagen und auf landwirtschaftlichen Flächen. Zum Teil hat schon der Spätfrost im Frühjahr die Ertragserwartungen im Obstbau geschmälert. Je nach Lage sind die Schädigungen unterschiedlich stark: Die Bäume sind unterschiedlich stark entlaubt, Blätter sind zerfetzt, die Früchte haben Dellen oder sind aufgeplatzt, Früchte liegen auf dem Boden, z. T. sehen wir auch aufgeplatzte Rinde an jungen Trieben/Äste und abgeknickte junge Triebe:


 Im Kernobst: Zurzeit ist auch der natürliche Junifruchtfall im Gange; je nach Lage liegen nach dem Hagel 10-50% der Früchte, die noch am Baum waren, auf dem Boden. Die Früchte auf dem Baum sind unterschiedlich stark beschädigt (Dellen bis Aufplatzungen). In der weiteren Entwicklung können die beschädigten Früchte faulen und abfallen.

Im Steinobst: Neben dem Pilzbefall aus den feuchten Frühjahr und Frostschäden wurde das Laub stark beschädigt und viele Früchte liegen nun auf dem Boden (bis zu 100% Ertragsausfall).

Beerenobst: Oft liegt die Hälfte der Ernte auf dem Boden, die Sträucher sind unterschiedlich stark entlaubt. Für die kommenden Wochen ergeben sich folgende Probleme: durch fehlende Blätter ist die Versorgung der Früchte bis zur Fruchtreife fraglich. Die Früchte am Strauch hängen nun in der prallen Sonne; es besteht Sonnenbrandgefahr. Der Hagelschlag zu diesem frühen Zeitpunkt ist hier besonders tragisch, da die früh reifenden Strauchbeerensorten (Johannisbeeren und Stachelbeeren) in Kürze erntereif gewesen wären. Einzig bei Himbeeren gibt es noch Chancen auf eine ordentliche Ernte. Die biegbaren Ruten und noch festen Früchte haben den Hagel gut überlebt.

Gemüsebeete sind total zerstört: Salat nur noch Matsch, komplett entblätterte Tomaten im Freiland, zerfetzte Zucchini.

Der Hagelschlag ist auch ein emotionaler Schlag für die Bewirtschafter! Es ist extrem frustrierend, da die Arbeit der letzten Monate in 20 Minuten vernichtet worden ist!



Gegenmaßnahmen nach Hagelschlag:

Die Hagelkörner habe die Pflanzen beschädigt. Über die Wunden können nun Schaderreger, v.a. Pilze, eindringen. Dieses Problem verstärkt die schwül-warme Witterung zusätzlich.

Im Gemüsegarten empfehlen wir einen kräftigen Rückschnitt auf noch gesunde Blätter/Triebe bei einjährigen Kulturen (Zucchini, Tomaten), alles Verletzte sollte entfernt werden. Mehrjährige Gemüsepflanzen (z. B. Paprika) können nach diesem Rückschnitt aus den schlafenden Augen (Knospen) nochmals austreiben, solange das Wurzelwerk gesund ist.

Bei jungen Obstbäumen mit Schäden am Holz können Maßnahmen gegen Infektionen erwogen werden. Wir beraten Sie gerne im Einzelfall. Kontrollieren Sie die Bäume mit Rindenschäden in den nächsten Wochen auf jeden Fall auf Anzeichen von Infektionen (Pilze und Bakterien). Es wird in der Regel ein zweiter Blattaustrieb erfolgen. Dafür benutzt der Baum Energie aus Reservestoffen. Das führt zu einer zusätzlichen Schwächung des Obstgehölzes. Deshalb ist es besonders wichtig, eine Düngung im Spätherbst/frühen Frühjahr einzuplanen. Eventuell kann man auch über die neu gebildeten Blätter mit Flüssigdünger Nährstoffe zuführen.

Im Hausgarten allgemein: Sie haben sicher bereits die Rasen- und Pflanzflächen von abgeschlagenen Ästen und Blättern befreit. Als Erste-Hilfe-Maßnahme für Sträucher, Rosen und Stauden können Sie stark beschädigte Pflanzenteile wegschneiden und auf gesunde Blätter/Triebe zurückschneiden. In der Regel erholen sich die Pflanzen in den nächsten Wochen. An kleinkronigen Obstbäumen im Hausgarten können Sie stark beschädigte Früchte entfernen, da diese bald faulen und die Nachbarfrüchte anstecken können.

 

Alle Maßnahme, die zur Stärkung der Pflanzen beitragen, wirken sich in der jetzigen Situation besonders positiv auf die Pflanzen aus.

 

Hoffen wir, dass wir bei der weiterhin gewittrigen Wetterlage mit möglichen Unwettern verschont bleiben!


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